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Dienstag, 23. August 2011

In Gedenken an die Busby Babes

Wo in München ist der Manchesterplatz?
Google Maps findet ihn nicht ... auf der Webseite der Stadt München zum Gedenkstein gibt es eine Wegbeschreibung von der U-Bahn aus ... etwas kryptisch.
Egal, ich bin ja schließlich Truderinger. Grob die Richtung und kaum ein paar Schleifen und Sackgassen später ...


Krass. Auf dem Weg zu den Riem Arkaden fahren wir da jedes Mal vorbei ... aber daß mir auch nur ein Mal dieser Stein aufgefallen wäre ...


Hier ist es also passiert. Am 6. Februar 1958 stürzte hier BEA Flug 609 von Belgrad nach Manchester nach einem Zwischenstopp in München-Riem in einem Schneesturm ab. Das wäre an sich schon eine Gedenkstein wert - aber in dieser Maschine befand sich die Mannschaft von Manchester United, auf dem Rückweg von einem Europapokalspiel.
8 Spieler starben beim vielleicht schlimmsten Flugzeugunglück der Fußballgeschichte. 2 weitere wurden so schwer verletzt, daß sie nie wieder Fußball spielen konnten.
Für Manchester United ein unfassbar schwerer Schlag von dem sich der Verein erst Jahre später erholte.
Im heimischen Stadion "Old Trafford" erinnern bis heute eine Plakette und eine Gedenkuhr and den "Munich Air Crash". Und in München eben seit 2004 der Gedenkstein - entworfen und finanziert von ManUtd. Der Platz immerhin von der Stadt zur Verfügung gestellt. Seit 2008 heißt der Platz Manchesterplatz ... aber das weiß ja wie gesagt keiner ;-).


Worin genau die "Freundschaft und Unterstützung" des FC Bayern bestanden hat, konnte ich nicht herausfinden - die Inschrift ist von ManUtd jedenfalls sehr sympatisch und höflich.
Vielleicht kommt Uli Hoeneß ja persönlich zum Gießen der Blumen vorbei ;-).


Die Blumen blühen jedenfalls und natürlich ist es schön, daß die Stadt und wir alle damit einer großen Tragödie gedenken. Auch wenn der arme Pilot unschuldig entlassen wurde und erst 10 Jahre später rehabilitiert wurde.

Einen umfassenden Beitrag gibt es natürlich bei Wikipedia 
Besonders zu empfehlen ist die entsprechende Sektion auf der Website von Manchester United:

Freitag, 19. August 2011

Ost-West-Friedenskirche, Olympiapark Süd, München

OB Christian Ude nannte sie den "liebenswürdigsten Schwarzbau" Münchens. Praktisch jeder Münchener kennt sie (oder ihren Erbauer). Hunderttausende sind jedes Jahr in unmittelbarer Nähe und trotzdem ist sie immer noch eine unfassbare friedliche Oase mitten in der Innenstadt - die Ost-West-Friedenskirche in Ihrem Bienenhain.


Kaum habe ich es nach über 15 Jahren in München endlich geschafft, diese ungewöhnliche Ausnahme von der bürokratischen Regel einmal aufzusuchen, schon stellt sich heraus, daß meine Frau den Erbauer persönlich kennengelernt und Cousine Eva ihm als Kind Schokoladensilberpapier gebracht hat ;-).
Ja, Väterchen Timofei hat viel geschafft in München. Er baute noch im Kriegsschutt aus selbigem Haus, Kirche und Kapelle. Obwohl alles ohne Genehmigung wurde er zeitlebens von den Behörden toleriert. Obwohl sein Ensemble eigentlich dem Olympiapark hätte weichen sollen, wurde nach Protesten der Münchener letzterer verlegt und nicht das Refugium des Väterchens. Er wurde 110 Jahre alt und war damit Münchens ältester Bürger. Und er hat auch geschafft, daß die Münchener ihn nicht vergessen haben und sich ein fleissiger Verein seit seinem Tod liebevoll um sein Vermächtnis kümmert.
Nur eines hat er nicht geschafft - aber dazu später.


So sieht das TollWood-Gelände aus, wenn nicht gerade TollWood ist, das große immer noch alternative Festival, das zweimal im Jahr hunderttausende Besucher zu Veranstaltungen und Markt anlockt. 10 Minuten zu Fuß vom ehrwürdigen Olympiastadion entfernt. Dreht man sich jetzt um 60° nach links, erwartet den Neugierigen hinter einem Bretterzaun das:


Ein verzaubertes Stückchen Paradies, ein Hauch von sibirischem Taiga-Dorf mitten in München. 2 kleine Häuser (eines davon heute das Väterchen Timofei Museum), Kapelle und natürlich die Ost-West-Friedenskirche.


Man kann sie glauben oder nicht - die Geschichte von der Jungfrau Maria, die ihm im Weltkrieg befahl nicht nach Hause zurückzukehren sondern in den Westen um dort für den Frieden eine Basilka zu bauen. Man kann auch an der zweiten Erscheinung zweifeln, die ihn nach Bayern schickte - nachdem die Wiener ihn die Kirche nicht bauen lassen wollten. Der Rest ist verbrieft. Timofei ging mit seiner Lebensgefährtin Natascha nach München.
Dort sind sie um das Jahr 1952 angekommen, schliefen unter Brücken, kochten am offenen Feuer. Das Oberwiesenfeld (heute Olympiapark) - eine Wüstenei aus Abfall und Kriegsschutt. Verbrannte Erde. Niemandsland. Zuerst entstand die Kapelle; dann, auf dem Fundament einer Flak-Station, errichteten sie aus Brettern und Gerümpel die Basilika.


Als weiteres Wunder mag gelten, daß nach heftigen Protesten der Münchener Bevölkerung, die Planung für das Olympiagelände geändert wurde und so dieses einmalige Ensemble gerettet werden konnte. Vielleicht ist es aber auch nur einer tiefer Blick in die wahre Seele dieser Stadt.

Als ich dort war , war es heiß und sonnig - ein Wochentag im August, mitten in den Sommerferien. Kein Wunder also, daß ich der einzige Besucher war.


Umso bemerkenswerter, daß jedoch tatsächlich 2 Vereinsmitglieder auf dem Anwesen gearbeitet haben. Sie kommen fast täglich vorbei und helfen diesen Zaubergarten zu erhalten.
Vielleicht ist es das größte Schaffen, des Väterchens: Daß er auch noch Jahre nach seinem Tod die Menschen bewegt und motiviert. Nur seine Frau Natascha durfte er hier nicht bestatten - das ging den Behörden dann wohl zu weit. Er baute ihr trotzdem ein Grab.


Dort war er zu sehen - betend oder Blumen auf´s Grab legend.
An diesem so magischen Ort kann man sich bestens vorstellen, daß die letzte Legende um Väterchen Timofei - aus dem liebevollen Nachruf der Süddeutschen auf ihn - wahr sein könnte:

Vielleicht erzählt man sich bald wieder eine letzte, phantastische Geschichte. Etwa so: Manchmal, wenn man lange genug auf der Bank vor diesem Haus sitzt, eingelullt vom Summen der Bienen und einer ins Kraut schießenden Natur...manchmal also erscheint da ein Mann mit Rauschebart und weißem Haar und setzt sich dazu. "Gestatten, Timofej Wasiljewitsch Prochorow."


SZ vom 14.7.2004: 
Wikipedia:

Donnerstag, 18. August 2011

Heilig Kreuz Kirche Fröttmaning

Irgend jemand hat mir einmal von Ihr erzählt - und dann habe ich sie auch im Intenet gefunden : Die älteste Kirche von München.

Die Katholische Filialkirche Heilig Kreuz ist der älteste erhaltene Kirchenbau im Stadtgebiet von München und das einzige Zeugnis des Dorfes Fröttmaning, das heute de facto eine Wüstung ist.

Mit meinem neuen Elan mache ich mich auf, die Kirche mit eigenen Augen zu sehen.
Aber das ist gar nicht so leicht: Mein altes Navi kennt den Kurt-Landauer-Weg gar nicht. Ist eben noch nicht sehr lange her, daß der Fröttmaninger Berg einfach der Müllberg war. Aber so schwer kann das ja nicht sein: Ist schließlich einfach gegenüber der Allianz Arena.




Also auf die Autobahn, Fröttmaning raus ... zur Arena weiter - aber da ist keine Brücke (für Fußgänger schon - aber das habe ich erst später entdeckt). Hmmm ... was jetzt?
Vielleicht von der anderen Seite. Also wieder auf die Autobahn. Diesmal Freimann raus und auf der Freisinger Landstraße Richtung Norden. Nun noch die richtige Abfahrt finden und erwischen (Richtung Kläranlage) und es geht auf einer Straße Richtung Berg, auf der man sich irgendwie nicht ganz legal fühlt (alles Halteverbot - Rettungsstraße). Nach rund 2 km kommt man schließlich an einen Parkplatz, der auch irgendwie nicht ganz erlaubt aussieht, bis man merkt, daß das 2 Parkplätze sind. Einer mit Schranke für irgendwelche "Berechtigten" und ein öffentlicher, der ganz legal ist auch wenn die Einfahrt mit einem Höhenbegrenzungstor von 1.60m eher "überleg´s Dir gut" zu sagen scheint.
Man ist im Naherholungsgebiet Fröttmaninger Berg angekommen. Ganz nett und schön grün - aber schon recht laut dank der nur 100 Meter entfernten Autobahn. Auch gewöhnungsbedürftig sind die ganzen Schautafeln auf denen die wunderbare Oberflächenversiegelung des Müllbergs erklärt und gefeiert wird. Auch die immer wieder auf den Wiesen und zwischen Bäumen drapierten "Industrieanlagen" und die Warnschilder vor möglichem Eisschlag vom Windrad "bei Blinklicht Bereich sofort verlassen" machen es schon schwer sich hier richtig wohl zu fühlen. Na ja es ist schließlich August - da wird schon kein Eis geflogen kommen.




Abgesehen von der allgegenwärtigen Arena kommt man zunächst zum Kunstwerk "Versunkenes Dorf" - eine anscheinend halb vom Berg verschluckte Kopie der Kirche.


Das Verschwinden von Fröttmaning steht dabei als Thema im Mittelpunkt. Etwa 150 Meter südlich von Heilig Kreuz wurde 2006 ein nicht begehbarer Doppelgänger der romanischen Kirche in Originalgröße aus bemalten Betonfertigteilen geschaffen. Das surreal-melancholische Kunstwerk „Versunkenes Dorf“ am Fuße des Fröttmaninger Schuttberges thematisiert als eine Art Verlustanzeige das Verschwundene an diesem Ort. Die Kopie wurde so eingerichtet, dass das Bauwerk vom Berg halb verschüttet zu sein scheint.




Links ab geht es dann weiter zur eigentlichen Kirche. Und die hat ein bewegtes Leben hinter sich.




An der Stelle der Kirche befand sich eine Opferstätte der Kelten, ein keltischer Rundaltar mit schwarzverwitterten Tuftstein wurde bei durch einen Glockendiebstahl ausgelösten Reparaturarbeiten 1971 entdeckt.
Die Geschichte der Kirche beginnt vor 815, der urkundlichen Ersterwähnung Fröttmanings. Eine Schenkungsurkunde im Zusammenhang mit der Kirche aus dem Jahr 815 ist die älteste Urkunde im Bayerischen Staatsarchiv. Das Fröttmaninger Sippenoberhaupt Situli schenkte damals eine hölzerne Kirche samt zugehörigem Ackerland dem Freisinger Bistum, diese wurde von Bischof Hitto von Freising daraufhin geweiht. Der heutige spätromanische Bau mit seinen dicken Mauern entstand zum größten Teil zu Anfang des 13. Jahrhunderts. Teile der Kirche stammen aus der Zeit vor 815. Seit dem Abbruch der Jakobskirche in der Münchner Innenstadt 1955 ist Heilig Kreuz damit der älteste vollständig erhaltene Kirchenbau im Münchner Stadtgebiet.
In den 1930er Jahren wurde Heilig Kreuz Filialkirche von St. Albert München-Freimann.


Mehrmals war die Kirche von Abbruch bedroht. Beim Bau des Münchner Autobahnringes erreichten dann einsatzbereite Bürger unter Leitung des Kirchenpflegers von St. Albert, Ludwig Maile, die Verschiebung des Autobahnkreuzes München-Nord, dessen Abzweigung Richtung Salzburg den ursprünglichen Planungen zufolge genau über Friedhof und Kirche verlaufen wäre. Seit dem Abbruch der letzten Höfe für den Autobahnbau 1969 steht Heilig Kreuz frei. Bis 1971 verwahrloste die Kirche und wurde ausgeplündert und geschändet. Wertvolle Kunstwerke und die beiden Glocken aus dem 15. Jahrhundert gingen verloren. 1984 wurden Pläne konkret, die den Müllberg bis zur Kirchenmauer erweitern wollten. Nach Bürgerprotesten wurde jedoch dieser Plan zurückgenommen. Später setzte sich die Bürgerinitiative ein drittes Mal für die Kirche ein, diesmal für die Berücksichtigung des kirchlichen Baudenkmals im Bebauungsplan der nahe gelegenen Allianz Arena. Die Rettungsstraße samt ihrer Brücke musste zweihundert Meter nach Süden verlegt werden.
Heute liegt sie in einem kleinen Park mit Bodendenkmal mit ihrem Friedhof wortwörtlich direkt an der Autobahn.


Ein fast unwirkliches Kleinod mitten in der industriellen Peripherie der Metropole zwischen Stadion, Autobahn, Müllberg und Kläranlage.
Leider war sie geschlossen - vielleicht muss ich mal zu einem der seltenen Gottesdienste ;-).
Zitate von: http://de.wikipedia.org/wiki/Heilig-Kreuz-Kirche_(Fr%C3%B6ttmaning)